MiruSuite entwickelt sich ständig weiter – nicht nur technologisch, sondern auch aus persönlicher Leidenschaft heraus. Ein Bereich, der uns besonders am Herzen liegt, ist die Musik, insbesondere Orchesterproduktionen. Als aktiver Amateurmusiker steht Matti selbst regelmäßig auf der Bühne und genau daraus entstand eine zentrale Frage:
Ist es möglich, Konzertmitschnitte auf hohem Niveau mit minimaler Crew umzusetzen – idealerweise mit nur zwei Personen? Insbesondere für Amateur- und Profiorchester, die sich große Fernsehteams nicht leisten können.
In einem Forschungsprojekt haben wir uns genau dieser Herausforderung gestellt. In diesem Artikel teilen wir unsere Erfahrungen.
Landesjugendorchester Sachsen - Das Testensemble für unsere Forschung
Konzertmitschnitte sind längst kein „Nice-to-have“ mehr. Orchester – ob professionell oder im Amateurbereich – müssen ihr Publikum heute nicht nur im Saal begeistern, sondern auch digital erreichen. Häufig sind Budgets in der Kunstszene knapp. Große Filmcrews mit mehreren Kameraleuten sind oft nicht realisierbar - selbst für etablierte Ensembles.
Hier kommen PTZ-Kameras ins Spiel. Sie ermöglichen viele Kameras mit wenig Personal zu betreiben. Meistens zeigt sich aber schnell: Die Technik allein löst das Problem noch nicht.
In der Theorie klingt es einfach: Presets programmieren, Kameras automatisiert fahren lassen, fertig. In der Praxis sind wir jedoch auf eine Reihe von Problemen gestoßen:
- Zu viele Presets: Für eine hochwertige Orchesteraufzeichnung werden oft weit über 100 Presets benötigt – das ist mit den Bordmitteln von PTZ-Kameras kaum praktikabel.
- Komplexe Bedienung: Presets während einer Live-Produktion anzupassen ist in wenigen verfügbaren Sekunden nicht umsetzbar.
- Hohe mentale Last: Die Steuerung vieler Kameras und Presets erfordert viel Übung und Konzentration.
- Musikalisches Verständnis erforderlich: Für das Folgen der Musik sind ausgebildete Musiker in der Regie notwendig.
- Unrealistische Planung: Vollständig geplante Cut-Listen führen zwar zu den besten Ergebnissen, sind aber sehr zeitaufwendig. Falls geplante Perspektiven aufgrund von blockierten Kameras nicht möglich sind (z.B. ein Musiker rutscht von seinem Platz und sitzt hinter jemand anderem), kommt dieser Ansatz schnell an seine Grenzen.
- Fehleranfälligkeit im Live-Betrieb: Wenn man nicht durchplant, sondern bei Bedarf “on-the-fly” entscheidet, kommt es häufig zu ungeplanten Kamerafahrten, wenn der Camera Operator und der Bildmischer gleichzeitig Knöpfe drücken.
Die Probleme zeigen deutlich, dass wir den Workflow anpassen müssen, um mit PTZ-Kameras solche komplexen Produktionen durchführen zu können.
Unsere Vision ist klar: Die Software soll nicht nur ausführen, sondern mitdenken. Ziel ist es, die Komplexität zu reduzieren und Fehlerquellen zu minimieren ohne dabei kreative Kontrolle einzuschränken. Genau hier setzt MiruSuite an.
Die Videoregie für unsere Test-Konzertproduktion: 2 Personen (Bildmischer + Camera Operator), 5 Kameras (davon 4 PTZ), ein Bildmischer, eine MiruSuite Instanz (inkl. iPad zur Steuerung) sowie Companion.
Den Grundstein für Musikproduktionen bildet die vollautomatische Musikverfolgung – dynamisch und komplett unabhängig von Timecodes. Gerade in der klassischen Musik ist es nur so möglich. Das System passt sich live an die gespielten Tempi an und informiert über zukünftige Cues.
Vor dem Konzert werden die relevanten Instrumente an der Referenzaufnahme annotiert, sodass sie während des Konzerts abgerufen werden können.
So funktioniert es:
- Eine Referenzaufnahme des Stücks wird hinterlegt
- Das Live-Audiosignal wird analysiert
- MiruSuite synchronisiert beide Signale in Echtzeit
- Markierte Cues werden exakt zum richtigen Zeitpunkt ausgelöst
In der Vorbereitung werden die relevanten Stellen einmalig markiert. Dies hat in unserem Fall etwa das 1,25-fache der Konzertlänge gedauert. Im Konzert können diese Cues visuell oder über Kopfhörer verfolgt werden. In der folgenden Demo sieht und hört man die Tracking Ansicht während des Konzerts. Das Tracking lief stabil und zuverlässig auch bei Temposchwankungen über das gesamte Konzert hinweg.
Um die Komplexität von Presets zu reduzieren, haben wir neue Bedienkonzepte entwickelt.
- Presets mit einem Klick erstellbar, sortierbar und angepassbar
- Strukturierung in Form einer Tabelle nach Instrument und Shotgröße
- Schnelle Orientierung auch beim schnellen Wechseln zwischen Kameras dank konsistenter Anordnung
Kameraansicht zum Anlegen, Verwalten und Abspielen von Presets per Touch auf einem Tablet oder Touchbildschirm
Für maximale Geschwindigkeit:
- Alle Presets werden instrumentbasiert zusammengefasst
- Der Operator wählt nur noch:
- Instrument
- Perspektive (Nahaufnahme, Totale, etc.)
- und bei Bedarf explizit: 1. Flöte, 2. Klarinette, etc.
MiruSuite übernimmt die Auswahl des passenden Presets automatisch.
Wichtig dabei: Live-Kameras werden niemals ungewollt bewegt. Dies wird durch die bereits existierende Anbindung von MiruSuite an unterschiedliche Bildmischer möglich. Anzahl und genaue Auswahl der Kameras können zügig festgelegt werden. Standardmäßig wird auch die aktuelle Preview-Kamera nicht wegbewegt, damit der Bildmischer diese Perspektive sofort übernehmen kann.
Mit einem zwinkernden Auge taufen wir ihn "Simple Mode": Beim Klick auf Instrumente oder Sections fährt MiruSuite automatisch passende Presets an.
Presetbasierte Produktionen wirken oft statisch. Mit dem Auto Move Director bringen wir gezielt Bewegung ins Bild – ohne zusätzlichen Aufwand, ganz einfach per Knopfdruck des Bildmischers. Zwei Varianten haben sich im Test bewährt:
- Random Move: Zufällige, kontrollierte Bewegung für natürliche Dynamik
- Preset Move: Sanfte Transitions zwischen zwei Presets desselben Instruments
Das Ergebnis:
Deutlich lebendigere Bilder ohne zusätzliche Belastung für das Team.
Mit den richtigen Tools sind hochwertige Konzertmitschnitte mit minimaler Crew realistisch. Gleichzeitig stoßen presetbasierte Systeme in bestimmten Situationen an ihre Grenzen:
- wechselnde Besetzungen führen gelegentlich zu unpassenden Presets mit leeren Stühlen
- Musiker, die mit ihrem Stuhl rutschen, können ebenfalls zu unpassenden Perspektiven führen
Hier sehen wir den nächsten Schritt: KI-basierte Bilderkennung, die automatisch auf Veränderungen reagiert und Presets korrigiert. Die Grundvoraussetzungen bringt MiruSuite hierfür bereits mit. Dennoch ermöglicht unser aktueller Workflow bereits Produktionen, die vorher so nicht machbar gewesen wären.
Aktuell sind Musikverfolgung und Kamerasteuerung noch getrennt. Doch was passiert, wenn wir beides vollständig vereinen?
- Vollständige programmierte Rundowns synchron zur klassischen Musik
- Automatisches Anfahren und Korrigieren von Presets
- Minimale manuelle Eingriffe
Am Ende bleibt nur noch der kreative Teil: der Live-Schnitt.
Ganz im Sinne unserer Vision: Menschen treffen kreative Entscheidungen – die Software übernimmt den Rest.
Wir stehen am Anfang eines neuen Workflows für Konzertproduktionen. Deshalb suchen wir Partnerfirmen, die diesen Ansatz gemeinsam mit uns weiterentwickeln und in realen Produktionen testen möchten. Wenn ihr daran Interesse habt, meldet euch gerne bei uns.